ZUM NACHSCHLAGEN

Themen

Falls du bei einer Aufgabe hängenbleibst: Hier kannst du Formeln, Beispiele und die wichtigsten Begriffe noch einmal nachlesen.

01 / GRUNDLAGEN

Die Anleihe

Mit einer Schuldverschreibung stellt der Anleger dem Emittenten Kapital zur Verfügung. Er ist Gläubiger und hat Anspruch auf die vereinbarten Zinsen sowie auf die bedingungsgemäße Rückzahlung. Anders als eine Aktie begründet eine gewöhnliche Anleihe keine Mitgliedschaft am Unternehmen.

Nennwert Bezugsgröße für Kupon und Rückzahlung.
Nominalzins Vertraglicher Zinssatz bezogen auf den Nennwert.
Kurs Börsenpreis in Prozent des Nennwerts.
Emittent Schuldner der Anleihe, etwa Staat, Bank oder Unternehmen.
Jahreskupon = Nennwert × Nominalzins / 100

Beispiel: 10.000 € Nennwert × 4 % = 400 € Jahreskupon. Bei 101,50 % Kurs beträgt der Kurswert 10.150 €.

Merke: Nennwert, Kurswert und tatsächlich zu zahlender Betrag sind verschiedene Größen.

02 / AUSSTATTUNG & RISIKEN

Formen & Arten

Die Unterlagen nennen Festzins-, Stufenzins-, Floating-Rate-, inflationsindexierte und Nullkuponanleihen. Laufzeit, Tilgung, Sicherheit und Emittent sind Teil der Anleihebedingungen.

Bei Floating Rate Notes wird der Zinssatz periodisch neu festgelegt; das Unterrichtsmaterial verwendet dafür act/360. Bei Nullkuponanleihen gibt es im einfachen Fall keinen laufenden Kupon.

Bonitätsrisiko Der Emittent könnte Zins oder Tilgung nicht leisten.
Zinsänderungsrisiko Steigende Marktzinsen drücken grundsätzlich den Kurs bestehender Festzinsanleihen.
Liquiditätsrisiko Ein Verkauf kann nur zu einem ungünstigen Kurs möglich sein.
Kündigungsrisiko Vorzeitige Rückzahlung kann die Wiederanlage verändern.

Merke: Kupon über Marktzins deutet auf Kurs über 100 %; Kupon unter Marktzins auf Kurs unter 100 %. Die konkrete Anleihebedingung geht vor.

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03 / DATENFOLGE

Handel, Erfüllung & Stückzinsvaluta

Der Handelstag ist der Abschluss des Geschäfts. Im schulischen Börsenbeispiel erfolgt die Erfüllung zwei Börsentage danach.

An der Erfüllungsvaluta werden Wertpapier und Geld gebucht. Die Stückzinsvaluta liegt genau einen Kalendertag davor. Sie ist der letzte Verkäufer-Zinstag.

T → zwei Börsentage → S (Erfüllung)
S − ein Kalendertag → Z (Stückzinsvaluta)
  1. Handelstag festhalten.
  2. Zwei Börsentage zählen; Wochenende auslassen.
  3. Von der Erfüllungsvaluta einen Kalendertag zurückgehen.

Beispiel: Handel Donnerstag, 01.10.2026; Freitag ist Tag 1, Montag, 05.10., Tag 2. Stückzinsvaluta ist Sonntag, 04.10.

Typischer Fehler: Die Stückzinsvaluta auf Freitag setzen, weil Sonntag kein Börsentag ist.

Merke: Diese Lernfälle gelten ausdrücklich ohne zusätzliche Feiertage. Ein echter Börsenkalender kann die Erfüllung verschieben.

04 / ACT/ACT

Tage zählen

Bei jährlichen Festzinsanleihen zählt die Unterrichtsmethode die tatsächlichen Kalendertage. Der Beginn der Kuponperiode zählt mit; der Erfüllungstag zählt für den Verkäufer nicht mehr.

Der Nenner ist die Länge der Kuponperiode: 365 oder 366 Tage.

d = Tage von Periodenbeginn bis S (ohne S)
D = Tage der ganzen jährlichen Kuponperiode
  1. Letzten und nächsten Zinstermin bestimmen.
  2. Alle Tage vom Beginn bis zur Stückzinsvaluta mitzählen.
  3. Prüfen, ob die Kuponperiode den 29. Februar enthält.

Beispiel: Kuponperiode 15.05.2023 bis 14.05.2024: D = 366. Vom 15.05.2023 bis 18.02.2024 einschließlich: d = 280.

Typischer Fehler. Nur das Kalenderjahr der Abrechnung auf Schaltjahr prüfen. Maßgeblich ist der tatsächliche Zinslauf.

Schaltjahr. Durch 4 teilbar; Jahrhundertjahre nur dann, wenn auch durch 400 teilbar. 2024 und 2000 ja, 2026 und 2100 nein.

05 / STÜCKZINSEN

Zinsanteile verteilen

Der Käufer einer Kuponanleihe bekommt den nächsten ganzen Kupon. Darum erstattet er dem Verkäufer den seit Beginn der Kuponperiode aufgelaufenen Anteil als Stückzinsen.

Beim Standardfall mit jährlich festem Kupon gilt:

Stückzinsen = Nennwert × Nominalzins / 100 × d / D

Variablen. d sind die Verkäufer-Zinstage. D ist die Länge der ganzen Kuponperiode. Für Floating Rate Notes mit vereinbarter act/360-Methode steht 360 im Nenner.

  1. Erfüllungs- und Stückzinsvaluta bestimmen.
  2. Kuponperiode und Zinstage d/D ermitteln.
  3. Jahreskupon mit d/D multiplizieren; erst die Rechenposition auf Cent runden.

Beispiel: 15.000 € × 4 % × 280/366 = 459,02 €. Bei Erfüllung genau am Zinstermin zeigt der Buch-Standardfall null Stückzinsen; direkt danach beginnt der neue Zinslauf.

Typische Fehler. Kurswert statt Nennwert verwenden, falsche Valuta einsetzen, den Erfüllungstag mitzählen oder bei einer Periode mit 29. Februar durch 365 teilen.

06 / WERTPAPIERABRECHNUNG

Kaufabrechnung

Kurswert = Nennwert × Kurs / 100
Ausmachender Betrag = Kurswert + Stückzinsen

Kauf. Kontobelastung = ausmachender Betrag + Provision + Courtage.

Verkauf. Kontogutschrift = ausmachender Betrag − Provision − Courtage − gegebenenfalls Steuer.

Provision und Courtage werden jeweils pro Rechenposition auf Cent gerundet.

Beispiel aus den Unterlagen. 20.000 € Nennwert bei 103 %: Kurswert 20.600 €. Plus 854,79 € Stückzinsen ergibt 21.454,79 €. Mit 103 € Provision und 15 € Courtage beträgt die Kaufbelastung 21.572,79 €.

Einheiten prüfen. Die Beispielrechnung ergibt 15 € Courtage auf 20.000 € Nennwert. Das entspricht 0,75 ‰. Eine Textstelle zeigt „0,75 %“; dieser Wert passt nicht zum gerechneten Ergebnis. Die Aufgaben nennen daher stets ausdrücklich 0,75 ‰.

Steuern in Übungsfällen. Das Blatt zeigt 25 % KESt und 5,5 % SolZ auf die KESt ohne Kirchensteuer.

Für Verkaufsaufgaben mit Steuer nennt die Website den steuerpflichtigen Kursgewinn ausdrücklich. Der verfügbare Freistellungsauftrag mindert die Summe aus diesem Gewinn und erhaltenen Stückzinsen.

Das ist ein abgegrenztes Unterrichtsschema, keine individuelle Steuerabrechnung.

Merke: Kosten beim Kauf addieren und beim Verkauf abziehen. Spesenbasis und Satz immer aus der Aufgabe lesen.

07 / RENDITE

Nominalzins ist nicht Rendite!

Der Nominalzins bezieht sich auf den Nennwert. Wer über oder unter pari kauft, setzt einen anderen Betrag ein.

Die Unterlagen unterscheiden laufende Verzinsung und eine vereinfachte Effektivrendite für endfällige Anleihen.

Laufende Verzinsung = Nominalzins × 100 / Kaufkurs
Rendite-Näherung = [p + (R − K) / J] × 100 / K

Variablen. p = Nominalzins in %, R = Rückzahlungskurs in %, K = Kaufkurs in %, J = Restlaufzeit in Jahren.

Beispiel: p = 2,5 %, K = 94 %, R = 100 %, J = 5: laufende Verzinsung 2,66 %, Rendite-Näherung 3,94 %.

Merke: Die Näherung verteilt den Kursgewinn rechnerisch auf die Jahre. Sie ist keine genaue interne Rendite.

08 / ANLAGEBERATUNG

Passende Kundenberatung

Die Unterlagen behandeln auch Anlageberatung und Anlegerschutz. Eine persönliche Empfehlung verlangt eine Geeignetheitsprüfung: Kenntnisse und Erfahrungen, finanzielle Situation, Anlageziel, Dauer und Risikobereitschaft werden berücksichtigt.

Kosten und Risiken sind klar zu erklären; die Geeignetheitserklärung begründet die Empfehlung.

Anlegerschutz. Insiderhandel und Marktmanipulation sind verboten. Die BaFin überwacht unter anderem Insidergeschäfte; Handelsüberwachungsstellen erfassen und prüfen Börsengeschäfte.

Diese Rechtsdetails sind zeitabhängig und werden im Quiz bewusst nur auf dem in den Unterlagen belegten Grundniveau abgefragt.

Merke: Gläubigerrecht und Teilhaberecht sowie persönliche Beratung und beratungsfreie Order unterscheiden.